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PP Prüfung Frühjahr 2021 - Anfechtungen und Lösungsvorschläge
Verfasst am: 12. 03. 2021 [12:28]
patricia1985
Dabei seit: 09.08.2019
Beiträge: 2
Also ich finde die Frage zum 34-jährigen Patienten auch nicht eindeutig.
Aus dem Kapitel somatoforme Störungen passt irgendwie nichts so richtig: Gegen eine Somatisierungsstörung spricht, dass keine wechselnde Symptomatik beschrieben wird, gegen eine hypochondrische Störung, dass der Pat. keine konkrete Krankheit bei sich benennt und gegen eine somatoforme autonomoe Funktionsstörung, dass der Pat. die Symptome keiner Krankheit in einem der beschriebenen Organsysteme zuordnet.
Für eine Schizophrenie müsste ja ein bizarrer, kulturell unangemessener Wahn bestehen, was hier aus meiner Sicht nicht erfüllt ist. Und Geruchshalluzinationen wäre auch kein ausreichendes Kriterium. Eine anhaltende wahnhafte Störung wäre vielleicht noch zu überlegen, die konnte man aber nicht wählen.
Ich hatte letztendlich die dissoziatve Störung gewählt (Sensibilitäts- und Empfindungsstörung) aufgrund des veränderten Geruchssinns, allerdings wird auch kein eindeutiger zeitlicher Bezug zu einem belastenden Ereignis genannt, weshalb das auch irgendwie nicht recht passt...
 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [12:37]
arcenciel
Dabei seit: 30.11.2016
Beiträge: 19
Habe mal was zu Adhärenz versucht. Meinungen dazu?

Sowohl Antwort B als auch C sind richtig.

Adhärenz kann sich sowohl auf die Arbeit des Therapeuten entlang der im Therapieplan festgehaltenen Ziele beziehen (Antwort B) als auch auf die Umsetzung der Therapieinhalte durch den Patienten (z. B. Durchführung der verabredeten Verhaltensstrategien, Hausaufgaben etc.). Für Letzteres ist notwendig, dass der Pat. von der Wirksamkeit der von ihm in Anspruch genommenen Therapie überzeugt ist (Antwort C), damit er so an der Behandlung mitwirkt, dass diese erfolgreich sein kann.

Diese beiden Definitionsweisen von Adhärenz spielen beide in der Psychotherapieforschung eine Rolle, da bspw. eine valide Interventionsstudie erfordert, dass die Behandlung sowohl von Seiten des Therapeuten adäquat durchgeführt als auch vom Patienten umgesetzt wird (und dieser nicht bspw. etwas ganz anderes macht als den Empfehlungen zu folgen, etwa weil er mit diesen nicht einverstanden oder nicht von ihrer Wirksamkeit überzeugt ist). Der Einleitung der Frage ist also nicht eindeutig zu entnehmen, welches Verständnis von Adhärenz gemeint ist.

Sollte die Tatsache, dass Adhärenz wie im ersten Satz beschrieben sich sowohl auf das Verhalten des Therapeuten bzw. allgemein des Treatment-Durchführenden als auch auf den Patienten beziehen kann, der strittige Kern der Frage sein, sollen diese Definitionsverständnisse im Folgenden anhand einiger Beispiele belegt werden.

Für die Adhärenz des Therapeuten formuliert Ubben (2015, S. 59): „Schließlich geht es darum, dass das Vorgehen des Therapeuten eine hinreichende Adhärenz aufweist, d. h. dass dieser genau die Ziele verfolgt, die mit dem Patienten verabredet wurden und eben das tut, was er mit seinem Therapieplan intendiert hat.“ Wenn dem Therapieplan ein bestimmtes Manual zugrunde gelegt wurde, entspricht dies also am ehesten der Manualtreue, demzufolge Antwort B.

Hingegen wird in einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt, der sich mit der Förderung der Adhärenz von Patienten befasst, Adhärenz im Sinne von Antwort C definiert: „Adhärenz (engl. adherence, Einhalten, Befolgen), früher Compliance genannt, bezeichnet das Ausmaß, zu dem das Verhalten einer Person hinsichtlich Medikamenteneinnahme, Diätbefolgung und/oder Lebensstiländerungen mit den vereinbarten Empfehlungen eines medizinischen Behandlers übereinstimmt. Im Unterschied zur Compliance werden Patienten im Adhärenzkonzept als aktive Partner in dieser Vereinbarung betrachtet, deren Zustimmung zu den ärztlichen Empfehlungen nötig ist.“ (Seehausen & Hänel, 2011)

Diese Definition und dieses Verständnis von Adhärenz geht zurück auf die Definiton des sog. Adherence Project der World Health Organisation (2003): „The adherence project has adopted the following definition of adherence to long-term therapy, amerged version of the definitions of Haynes (2) and Rand (3): the extent to which a person’s behaviour – taking medication, following a diet,and/or executing lifestyle changes, corresponds with agreed recommendationsfrom a health care provider.“ (WHO, 2003, S. 18)
Im direkt darauf folgenden Absatz wird erläutert: „Strong emphasis was placed on the need to differentiate adherence from compliance. The main difference is that adherence requires the patient’s agreement to the recommendations. We believe that patients should be active partners with health professionals in their own care and that good communication between patient and health professional is a must for an effective clinical practice.“ (S. 19 ebd.) Hier wird also in Erläuterung der vorangestellten Adhärenz-Definition ergänzt, dass der Patient mit der Behandlung einverstanden ist; hierfür muss er demzufolge gut informiert und überzeugt von der Behandlung sein. Auf die Wirksamkeitsüberzeugung im Sinne einer positiven Ergebniserwartung machen auch Seehausen und Hänel (2011) im o. g. Ärzteblatt-Artikel als Einflussfaktor auf die Adhärenz aufmerksam: „Persönliche Überzeugungen wie Ergebniserwartungen („Wie wirksam ist die Behandlung? Was sind die Nebenwirkungen?“) und Selbstwirksamkeitserwartung („Schaffe ich das?“) zählen zu den wichtigsten Variablen sowohl in Bezug auf die Absichtsbildung als auch darauf, die Intentions-Verhaltens-Lücke zu überbrücken.“

Die Notwendigkeit der Überzeugung des Patienten von der Wirksamkeit der Therapie als Voraussetzung für dessen Adhärenz kommt auch in den Ausführungen von Schnell (2014) zum Ausdruck: „Weil die Behandlungsadhärenz der Patienten für den Erfolg einer antidepressiven Behandlung sehr wichtig ist, sollte diese Entscheidung partizipativ herbeigeführt werden. Das beinhaltet eine ausführliche Information über die Behandlungsalternativen, deren Vor- und Nachteile, die Ermittlung der Erwartungen von Patienten und schließlich die gemeinsame Auswahl der passenden Alternative“ (Schnell, 2014; S. 95).

In Ergänzung dazu beschreibt der Dachverband Adherence e. V. Adhärenz im Vergleich zur Compliance wie folgt: „Demgegenüber steht bei dem Begriff Adherence die aktive Zusammenarbeit von Arzt und Patient im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung und Therapiezielvereinbarung im Vordergrund, d.h. die aktiv erfragte Patientenmeinung wird bei der Behandlungsplanung mitberücksichtigt“ (Dachverband Adherence e.V., 2011).

Zur Adhärenz gehört also auch die subjektive Überzeugung des Patienten über die Wirksamkeit der von ihm in Anspruch genommenen Therapie (Antwort C), die Voraussetzung dafür ist, dass er an der Therapie so mitwirkt, dass diese auch tatsächlich wirksam sein kann, was für die Psychotherapieforschung eine wichtige Voraussetzung für die interne Validität der Studie ist. Sowohl Therapeut als auch Patient müssen dafür die Behandlung so umsetzen wie intendiert; Antwort B beschreibt das entsprechende Verhalten auf Seiten des Therapeuten, Antwort C das entsprechende Verhalten auf Seiten des Patienten. Daher sind beide Antworten richtig.

Literatur:

Dachverband Adherence e. V. (2011). Compliance vs. Adherence. http://dv-adherence.de/index.php/compliance-vs-adherence.html (zuletzt abgerufen am 12.03.2021, 12:21 Uhr)

Schnell, T. (2014). Moderne Kognitive Verhaltenstherapie bei schweren psychischen Störungen. Lösungswege für die Psychotherapie schwieriger Patienten. Berlin: Springer.

Seehausen, M. & Hänel, P. (2011). Arzt-Patienten-Kommunikation. Adhärenz im Praxisalltag effektiv fördern. Deutsches Ärzteblatt, 108(43), A-2276/B-1918. Internet: https://www.aerzteblatt.de/archiv/111070/Arzt-Patienten-Kommunikation-Adhaerenz-im-Praxisalltag-effektiv-foerdern (zuletzt abgerufen am 12.03.2021, 12:12 Uhr)

Ubben, B. (2015). Planungsleitfaden Verhaltenstherapie. Sitzungsaufbau, Probatorik, Bericht an den Gutachter. Weinheim: Beltz.

World Health Organization (2003). Adherence to long-term therapies. Evidence for action. WHO. Internet:
https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/42682/9241545992.pdf (zuletzt abgerufen am 12.03.2021, 12:15 Uhr)

 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [12:41]
benlem
Dabei seit: 24.01.2020
Beiträge: 5
Hallo! Falls noch nicht geklärt: Kurzer Hinweis zur Anfechtung laut IMPP...

Zitat: "Zu diesem Zweck stellt das IMPP ein elektronisches Formular für Sie bereit. Dieses ist für den Zeitraum von drei Werktagen nach dem letzten Tag der Prüfung auf dieser Seite zugänglich."

https://www.impp.de/pruefungen/allgemein/pr%C3%BCfungskommentare.html

Ich denke es wäre sinnvoll, wenn JEDER ALLE Fragen, die sie/er für anfechtbar hält einreicht, oder?

Leider gibt es ja viel zu tun. LG, Ben
 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [12:44]
lisa.g.
Dabei seit: 11.03.2021
Beiträge: 12
"patricia1985" schrieb:

Also ich finde die Frage zum 34-jährigen Patienten auch nicht eindeutig.
Aus dem Kapitel somatoforme Störungen passt irgendwie nichts so richtig: Gegen eine Somatisierungsstörung spricht, dass keine wechselnde Symptomatik beschrieben wird, gegen eine hypochondrische Störung, dass der Pat. keine konkrete Krankheit bei sich benennt und gegen eine somatoforme autonomoe Funktionsstörung, dass der Pat. die Symptome keiner Krankheit in einem der beschriebenen Organsysteme zuordnet.
Für eine Schizophrenie müsste ja ein bizarrer, kulturell unangemessener Wahn bestehen, was hier aus meiner Sicht nicht erfüllt ist. Und Geruchshalluzinationen wäre auch kein ausreichendes Kriterium. Eine anhaltende wahnhafte Störung wäre vielleicht noch zu überlegen, die konnte man aber nicht wählen.
Ich hatte letztendlich die dissoziatve Störung gewählt (Sensibilitäts- und Empfindungsstörung) aufgrund des veränderten Geruchssinns, allerdings wird auch kein eindeutiger zeitlicher Bezug zu einem belastenden Ereignis genannt, weshalb das auch irgendwie nicht recht passt...


Danke für deine Einschätzung.. ich finde auch, dass es entweder Prodromalphase ist (die kann man aber nicht vergeben) oder eine wahnhafte Störung (die nicht unter den Distraktoren war..)...

Mal sehen, was dir draus machen.. ich füge noch eine weitere Quelle hinzu und dann werde ich die Anfechtung einreichen.. wer weiß, vielleicht geht sie ja durch ..
 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [12:45]
julianhartmann
Dabei seit: 06.11.2020
Beiträge: 2
Hallo zusammen,

mich wundert es, dass bisher niemand die Enuresis Frage einreichen möchte. Nach kurzer Recherche findet man sofort einen Artikel des Thieme Verlags, der die Altersgrenze wie folgt definiert:

Nach ICD-10 kann eine Enuresis erst im Alter von 5 Jahren oder in einem kognitiven Entwicklungs- alter von 4 Jahren und nach Ausschluss einer neurologischen Erkrankung, einer Epilepsie oder einer strukturellen Anomalie der ableitenden Harnwege diagnostiziert werden.

Quelle: https://www.thieme-connect.de/media/10.1055-b-002-94106/lookinside/10-1055-b-002-94106_chapter101-1.jpg

Somit wären sowohl die Antworten 4 Jahre (B) und 5 Jahre (C) richtig.


Dann noch zu der Frage mit der Pharmakokinetik:

Die Antwort D lautet: Die Wirkungsabschwäche eines Pharmakons bei wiederholter Zufuhr. Könnte dies dann auch eine mögliche Lösung sein?

Diese ist per Definition eine pharmakokinetische Toleranzentwicklung

Habe dazu folgendes Gefunden (Springer Verlag)

Nach wiederholter Gabe eines Arzneimittels kann die erzielte Wirkung abnehmen. Dies ist Ausdruck der biologischen Adaptation und findet auf verschiedenen Ebenen statt: auf molekularer Ebene in Form einer Abnahme der Rezeptorempfindlichkeit und der Rezeptorenzahl, auf zellulärer Ebene, in der langfristigen Änderung von nachgeschalteten Signalkaskaden, auf systemsicher Ebene in der Aktivierung gegenregulatorischer Mechanismen. Abgesehen von dieser pharmakodynamischen Gewöhnung gibt es auch eine pharmakokinetische Toleranz, d. h. ein Arzneimittel wird rascher eliminiert, weil Enzyme induziert werden.

Quelle: https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-642-12354-2_4


Was meint ihr dazu?

Liebe Grüße

Julian
 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [12:48]
lisa.g.
Dabei seit: 11.03.2021
Beiträge: 12
"benlem" schrieb:

Hallo! Falls noch nicht geklärt: Kurzer Hinweis zur Anfechtung laut IMPP...

Zitat: "Zu diesem Zweck stellt das IMPP ein elektronisches Formular für Sie bereit. Dieses ist für den Zeitraum von drei Werktagen nach dem letzten Tag der Prüfung auf dieser Seite zugänglich."

https://www.impp.de/pruefungen/allgemein/pr%C3%BCfungskommentare.html

Ich denke es wäre sinnvoll, wenn JEDER ALLE Fragen, die sie/er für anfechtbar hält einreicht, oder?

Leider gibt es ja viel zu tun. LG, Ben


Also es geht, meine ich, nicht um die Anzahl der Anfechtungen für eine best. Frage.. aber trotzdem schadet es vermutlich nicht, wenn mehrfach angefechtet wird..

Was wichtig ist, ist dass die Zeitfrist vermutlich schon Montagabend vorbei ist (so war es wohl letzten Herbst).

Ich denke auch, dass es Sinn macht, alle uneindeutigen Antworten anzufechten..

Vielleicht können wir eine Liste machen, die dann jeweils kopiert wurde, mit den Fragen (vielleicht wegen Auflage A und B kurze Beschreibung der Frage) die bereits angefochten wurde. Nicht, dass jemand davon ausgeht, dass jemand anderes das schon anfechten wird und dann haben wir unsere Chance vertan..
 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [12:52]
staand
Dabei seit: 14.02.2021
Beiträge: 3
Hey

haben wir schonw as zu der Frage mit dem idiographischer Ansatz, oder kam die nur mir so komisch vor, weil mir das alles nichts gesagt hat?

Gruß

Sarah
 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [13:20]
lisa.g.
Dabei seit: 11.03.2021
Beiträge: 12
Zusammenfassung (zum kopieren und ergänzen)

Folgende Fragen wurden bereits angefochten (was jedoch nicht ausschließen soll, diese nicht nochmal anzufechten!!):



PP, Auflage 1: Frage 22 (34-Jähriger Patient mit Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen entwickelt diverse körperliche Beschwerden)

 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [13:22]
arcenciel
Dabei seit: 30.11.2016
Beiträge: 19
Zusammenfassung (zum kopieren und ergänzen)

Folgende Fragen wurden bereits angefochten (was jedoch nicht ausschließen soll, diese nicht nochmal anzufechten!!):



PP, Auflage 1: Frage 22 (34-Jähriger Patient mit Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen entwickelt diverse körperliche Beschwerden)

PP, Auflage A: Frage 29 (Adhärenz)

PP, Auflage A: Frage 77 (Kinderschutzleitlinie)
 
Verfasst am: 12. 03. 2021 [14:10]
felixcomouth
Dabei seit: 30.07.2020
Beiträge: 5
@Julian
Ich glaube nicht, dass das Anfechten hinsichtlich Enuresis aussichtsreich ist, sofern die Frage bei euch PPlern identisch gestellt wurde wie bei uns in der KJP. Dort wird explizit nach dem Lebensalter und den diagnostischen Kriterien der ICD-10 gefragt und das lässt sich zweifelsfrei kreuzen.

Kinderschutzleitlinie und Schienbein sehe ich eigentlich auch eher eindeutig und es wird eigentlich auch übergreifend ähnlich beschrieben, oder? Habe auch einfach mal ein Bild dazu angehängt.

Den Text zur Anfechtung der Frage zur Suizidalitätsrate finde ich gut. icon_smile.gif



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