Info

News, Termine, Beiträge, Wünsche oder auch  Fehler melden:

Sie haben eine News, einen Termin, einen Beitrag oder einen Verbesserungsvorschlag für das Portal. Wir stellen es gerne ein, schreiben Sie einfach an
onlineredaktion(at)piaportal.de

 
PPIA in der Psychiatrie - Rahmenbedingungen?
Verfasst am: 24. 05. 2016 [19:24]
peter74
Themenersteller
Dabei seit: 02.04.2014
Beiträge: 8
Liebe Mit-PPIAS,

ich befinde mich zur Zeit in meinem P1 in der Forensik am PZN Wiesloch und bin hier mitten in einer Diskussion zwischen Psychologen und Personalabteilung gelandet, was PPIAs eigentlich "dürfen" und was "normal" ist.

Hier die "Normalität" am PZN im Bereich Forensik: ich arbeite im Rahmen einer 40 Stundenwoche für 1000 Euro im Monat und betreue 8 Patienten, zusätzlich soll ich vielleicht noch eine Psychoedukationsgruppe übernehmen. Ein Ausbildungs- oder Praktikumszeugnis gibt es nicht, angeblich aufgrund eines laufenden Klageverfahrens eines ehemaligen PPIAs (damals noch mit Ausbildungsvertrag). Die freie Spitze wird aktuell meines Wissens noch nicht anerkannt. Was möglich ist sind unbezahlte Freistellungen für die Ausbildung, ansonsten muss man die Arbeitszeit einhalten (und soll möglichst keine Überstunden machen). Ansonsten viel Schriftkram wie Stellungnahmen, Arztbriefe etc. Urlaub haben wir zum Glück den Regelsatz. Eine Einarbeitung oder Begleitung gibt es de fakto nicht.

Soweit die Situation in Wiesloch, sicherlich "ausbaufähig". Mich würde nun interessieren: wie sieht es bei euch in den Psychiatrien aus?

Herzliche Grüße
Peter
 
Verfasst am: 25. 05. 2016 [12:28]
piaportal
Administrator
Dabei seit: 20.10.2010
Beiträge: 109
Lieber Peter,

leider sind viele PiA sicherlich in einer ähnlichen Situation, doch dies muss bzw. sollte nicht so bleiben!

Geseztlich ist die PT in der Prüfungsordnung § 2 geregelt - Du findest sie hier im PiAPortal unter Ausbildung.
Laut den geseztlichen Vorgaben ist Inhalt der PT das bloße Kennenlernen psychischer Störungen unter Anleitung! Unter den geregelten Tätigkeiten gehören lediglich die Einbeziehung in die Diagnostik und Behandlung von mind. 30 Pat., Einbezug von Angehörigen bei mind. 4 Pat., sammeln von Kenntnissen und Erfahrungen unterschiedlicher Störungen und eine fallbezogene Doku.
Wie dies genau ausgestaltet wird ist interpretationssache (von der reinen Hospitation über den Einsatz als vollwertige Arbeitskraft).
Ich denke zwischen einem sogenannten "Praktikum" und einem Einsatz als Psychologe auf der Station gibt es eine Spannweite, die man individuell vor Ort aushandeln muss. Du solltest Dir überlegen, was Du - aufgrund Deiner Vorerfahrungen etc. - für zumutbar hälst. 8 Pat. und eine Psychoedukationsgruppe in 40 Stunden hört sich erstmal machbar an, aber es kommt natürlich auch ganz auf die Fälle, das Team, Supervision, Anleitung, also die sonstige Unterstützung an. Eine andere Sache sind Arztbriefe etc., die ja tatsächlich eigentlich nur von einem Arzt geschrieben werden dürfen.
Einen Vertrag über Deine Tätigkeit sollte es auf jeden Fall geben. Der Vertrag kann ja unterschiedlich gestaltet sein, von einem reinen "Praktikanten"-Vertrag über einen Arbeitsvertrag als Psychologe, dies gilt es zu besprechen. In dem Vertrag sollten die Aufgaben, Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen, Vergütung und Haftungs- und Versicherungsfragen geklärt sein. Ohne Vertrag besteht jedoch weder Versicherungsschutz noch Befugnis an der Diagnostik und Behandlung innerhalb der Klinik teilzunehmen! Ggf. würdest Du nicht als Mitarbeiter der Klinik, sondern als Privatperson haften(Haftpflicht-Vers.)!
Diese und weitere Infos findest Du auch in dem Buch "Survivalguide PiA - Die Psychotherapie-Ausbildung meistern" von Lindel & Sellin.
Im Anhang auch noch eine Handlungshilfe von verdi für PiA.

Viel Erfolg!

Simone für das PiAPortal
Dateianhang

Handlungshilfe_PiA_Verdi.pdf (Typ: video/x-flv, Größe: 565.94 Kilobyte) — 495 mal heruntergeladen
 
Verfasst am: 25. 05. 2016 [18:58]
sigmund
Dabei seit: 23.07.2013
Beiträge: 104
"peter74" schrieb:

Hier die "Normalität" am PZN im Bereich Forensik: ich arbeite im Rahmen einer 40 Stundenwoche für 1000 Euro im Monat und betreue 8 Patienten, zusätzlich soll ich vielleicht noch eine Psychoedukationsgruppe übernehmen.


Das entspricht ungefähr 50, eher 75% des normalen Arbeitsumfanges, also bei E13 ungefähr 33.000 Euro brutto p.a. bei einem Anfänger. Andere Forensiken bezahlen mindestens E 13, manche mit Zulage E 14. Soviel zur Bezahlung.

Die andere Frage ist, ob Du es Dir fachlich zutraust. Grundsätzlich halte ich es wegen der schweren Konsequenzen (Untergebrachter: Freiheitsentzug + massive Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte, Gesellschaft: Gefährlichkeit des Untergebrachten) für einen Skandal, dass Maßregelpatienten von Studienabsolventen "behandelt" werden. Kröber hat einmal einen vernichtenden Beitrag in diese Richtung geschrieben, was die Behandlung von Sexualstraftätern betrifft.

Es kommt aber natürlich auch darauf an, ob es eine heterogene Gruppe mit schweren Persönlichkeitsstörungen ist oder eine Alkoholikergruppe. Ob Du eher Testdiagnostik machen sollst oder eher Psychotherapie und Lockerungsprognosen/-entscheidungen.

Fallführende Anfänger können in der Allgemeinpsychiatrie bei einem eng definierten und langsam ausgeweiteten Indikationsspektrum funktionieren, aber in der Forensik ist es verantwortungslos, weil es einem Anfänger in der Regel noch an Erfahrung, Intuition und dem Wissen mangelt, das man in der Forensik braucht.

Ich weiß nicht, wie Wiesloch organisiert ist, aber oftmals werden dem zuständigen Psychologen auch Entscheidungen zugemutet, für die eigentlich der Maßregelvollzugsleiter zuständig wäre. Dann bräuchte man auch noch eine Ausbildung im Vollzugs- und Vollstreckungsrecht, und damit wird es für Anfänger mehrere Nummern zu groß.

Wenn man natürlich, wie Simone gesagt hat, am Anfang mehr oder weniger nur zusieht und dann Teilaufgaben übernimmt, ist es kein Problem. Dass Du acht Patienten "betreust", klingt nicht danach.

"peter74" schrieb:
Ein Ausbildungs- oder Praktikumszeugnis gibt es nicht, angeblich aufgrund eines laufenden Klageverfahrens eines ehemaligen PPIAs (damals noch mit Ausbildungsvertrag).


Ein ZEUGNIS kannst Du sicherlich nach allgemeinen Regeln einklagen. Wenn Du Dir eine andere Stelle als "Reserve" suchst, kannst Du ja einmal aus triftigem Grund ein Zwischenzeugnis beantragen und abwarten, was passiert. Ein Arbeitgeber, der "angeblich aufgrund eines laufenden Klageverfahrens" so komisch handelt, hat die Sache entweder nicht im Griff, oder er missachtet die PiAs. In beiden Fällen wäre mit diversen "Vorgängen" zu rechnen, wenn Du ein Zwischenzeugnis beantragst.

Wenn Du einen VERTRAG meinst, hast Du zu 100% bereits einen, weil Du es auf irgendeiner Grundlage schaffst, in die Forensik hineinzukommen und dort etwas zu tun. Ja, es gibt auch mündliche Verträge.

Du solltest einmal eine Woche lang genau mitschreiben, was Du konkret wann getan hast, um für spätere Prozesse gerüstet zu sein. Auch die Supervisionsfrequenz und die Supervisionsthemen sollten exemplarisch dokumentiert sein, damit man nicht nachher irgendeine Teamsupervision als Deine Aufsicht und Anleitung hinstellen kann.

"peter74" schrieb:
Eine Einarbeitung oder Begleitung gibt es de fakto nicht.


Ist das Deiner Meinung nach eine taugliche Grundlage für die Behandlung der Gefährlichen und für das Verfassen von Stellungnahmen einer MRV-Einrichtung an ein deutsches Gericht? Realitätscheck bitte.
 



Portalinfo:

Aktive Benutzer
Zur Zeit sind 4 Benutzer online, davon 2 registrierte Benutzer und 2 Gäste.
Heute waren bereits 21 registrierte Benutzer und 179 Gäste online.

Derzeit online
Benutzer: enom09, panzatta

Statistik
piaportal.de hat 6114 registrierte Benutzer, 869 Themen und 2219 Antworten. Es werden durchschnittlich 0.86 Beiträge pro Tag erstellt.