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Falscher Weg? Hilfe!
Verfasst am: 08. 08. 2019 [12:32]
eleonoir
Themenersteller
Dabei seit: 08.08.2019
Beiträge: 2
Hallo liebe PiA-Gemeinde!

Ich hoffe, ich bin bei euch am richtigen Platz, denn seit einiger Zeit habe ich Zweifel, die ich wegen meiner fehlenden Erfahrung nicht so einfach auflösen kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir hier jemand helfen kann icon_smile.gif.

Ich (M, 26) bin gerade noch Psychologiestudent im Bachelor. Mein Plan ist es, in den Psychotherapiestudiengang zu wechseln, um dann als Psychotherapeut arbeiten zu können.
Anfangs war meine Entscheidung relativ sicher, bestimmt aber auch weil ich ein idealisiertes Bild von mir in diesem beruflichen Kontext und von den beruflichen Anforderungen hatte.

Meine Erfahrungen und Vergleiche haben mich aber teils entmutigt. In einem Seminar, in dem wir uns gegenseitig beraten haben, ist mir gar nicht aufgefallen, dass die „Klientin“ Tränen in den Augen hatte. Ich war zwar gestresst, weil die Sitzung unterbrochen wurde und ich von der Seminarleiterin beobachtet wurde. Aber für so etwas Grundlegendes sollte man schon die Antennen haben, oder?
Ich beobachte mich allgemein eher schnell gehemmt, wenn ich das Gefühl habe, die Situation ist für eine Person unangenehm. Insbesondere gegenüber Kindern fühle ich mich unnatürlich.
Seid ihr im Zuge eurer Ausbildung eventuell auf Menschen getroffen, die augenscheinlich auf dem falschen Weg waren (fehlende Kompetenzen oder Burnout-Kandidaten)?

Ich finde das Fach Psychologie sehr spannend und sehr dort meine „intellektuelle Heimat.“ Auch liegt es mir sehr, gemeinsam Hypothesen zu suchen und zu überprüfen, warum jemand bestimmte Probleme hat und denjenigen auf diesem Weg zu helfen. Ich finde das eine großartige Vorstellung, glaube aber auch, dass das an meiner (auch selbstverliebten) Veranlagung liegen könnte, mich für besonders reflektiert zu halten und an dem Wunsch, ein Mentor und Ratgeber für andere in schwierigen Zeiten sein zu können. Inwiefern das mit der tatsächlichen therapeutischen Arbeit übereinstimmt oder ob es sogar hinderlich ist, kann ich nicht wirklich sagen.

Leider bin ich jetzt etwas ratlos, wie ich meine Karrierebedürfnisse (überdurchschnittliches Gehalt, Autonomie, Sinn, Anleitung in schwierigen psychologischen Entscheidungen) mit meinen Voraussetzungen vereinbaren kann, d.h. ob das Berufsbild des Therapeuten tatsächlich passend ist oder ob nicht ein anderer Bereich sinnvoller für mich wäre. Am wohlsten fühle ich mich mit Abstand in wenig formalisierten Situationen mit höherem Grad an Selbständigkeit.

Dazu wäre noch hilfreich zu wissen, dass ich einen eher ungeraden Lebenslauf, überdurchschnittliche akademische Leistungen und ADHS habe. Ersteres (und weiterhin das Bedürfnis, unmittelbar sinnstiftende Arbeit zu leisten) schließen für mich eine Karriere in der Wirtschaft eher aus. Auch eine Karriere in der Forschung (außer einem Doktortitel) sehe ich für mich nur dann, wenn ich das Nomadendasein eines Jungwissenschaftlers umgehen kann, was leider eher unwahrscheinlich ist.
Ich lese das ein bisschen wie eine Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau; tatsächlich möchte ich mich in meiner Entscheidung bestärken oder über den Tellerrand schauen, ob es nicht andere Berufsbilder gibt, die womöglich besser passen könnten. Wenn ihr mir dabei helfen könntet, würde ich mich sehr freuen. Ich bin dankbar für alle Tipps und Erfahrungen, die ihr mit mir teilt.

Liebe Grüße
eleonoir

P.S. Das Schreiben war allein schon etwas auflösend für mich. Manchmal verurteile ich meine Naivität und nehme mir damit den gesunden Optimismus. Trotzdem freue ich mich über alle Antworten, die mir Ideen auf meinem Weg sein können.

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 08.08.2019 um 12:43.]
 
Verfasst am: 09. 08. 2019 [12:19]
padron
Dabei seit: 22.03.2015
Beiträge: 22
Hallo,

es ist nicht so leicht abzuschätzen, wie der Therapeutenberuf tatsächlich ist und ob man dafür geeignet ist, ohne das etwas praktisch miterlebt zu haben. Ein Praktikum in einer Klinik ist dafür sehr hilfreich.
Sicherlich sollte man in den Beruf nicht überidealistisch reingehen, sonst wird man enttäuscht.
Helfen zu wollen, ist natürlich etwas was alle PT verbindet. Ein bisschen therapeutischer Narzissmus darf auch dabei sein, man darf sich halt nur nicht davon abhängig machen.

Mitzubekommen was im Patienten vorgeht, oder in einer Gruppentherapie zu bemerken, wenn jmd. im Hintergrund wegrutscht, ist schon wichtig. Wäre zu prüfen, ob das an der künstlichen Situation lag bei dir, oder ob es was ist, an dem du arbeiten solltes und kannst. Ein Praktikum in einer Klinik ist hier auch hilfreich, um die eigene Wahrnehmung und Aufmerksamkeit zu überprüfen und zu schaun, ob man emotional geladene Situationen verkraftet.

Es gibt viele gute PT mit eigenen "Handicaps", hat ja jeder in gewissem Ausmaß. Manche nutzen diese auch um in Spezialfeldern zu arbeiten. z.B.: https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/autismus-menschen-mit-asperger-syndrom-berichten-ueber-ihren-alltag-a-877992-2.html

Neben PT hab ich auch nicht den riesen Überblick über alle Jobfelder für Psychologen. Bei Kindern gibt es aber viele Anwendungsfelder wie Lernschwächen, Dyskalkulie etc. die einige deiner Jobanforderungen erfüllen. Frage halt, was du als überdurchschnittliches Gehalt ansiehst und ob du mit Kindern grundsätzlich kannst.

Viel Erfolg beim weiteren Weg.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 09.08.2019 um 12:19.]
 
Verfasst am: 19. 08. 2019 [12:05]
thobaben
Dabei seit: 09.02.2019
Beiträge: 26
Liebe Eleonoir,

vielen Dank für diese so persönlichen Überlegungen!

Ich musste dabei an einige Kolleg*innen denken, die sich mit Blogs, Startups, Büchern, Medienauftritten etc in Spezialthemanfeldern als selbständige Psycholog*innen betätigen.

Ich würde Dir empfehlen, Ideen und Kontakte auf Veranstaltungen zu suchen, wo Fachpublikum unterwegs ist, die vielleicht Dinge machen, die für Dich interessant sind.

Vielleicht auch mal bei Twitter schauen, was Psycholog*innen alles so machen.

Ich wünsche viel Erfolg bei der weiteren Suche!
HG
Amelie
 



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