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Wie anstrengend ist die Ausbildung wirklich?
Verfasst am: 12. 05. 2020 [17:36]
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Themenersteller
Dabei seit: 12.05.2020
Beiträge: 2
Hallo,

ich überlege, die Psychotherapeutenausbildung zu machen. Persönlich kenne ich allerdings niemanden, der sie schon gemacht hat und mir darüber berichten kann, deshalb würde ich mich sehr über eure Erfahrungen freuen.
Ich kenne Psychotherapie aus 2 Praktika und würde schon sehr gerne als Therapeutin arbeiten. Allerdings sind die Rahmenbedingungen der Ausbildung ja nun wirklich nicht besonders gut, was mich schon ziemlich abschreckt... Und vor allem habe ich Angst, mich in der Ausbildung absolut überfordert zu fühlen. Deshalb würde mich interessieren, wie hart bzw. anstrengend die Ausbildung für euch ist oder war. Hat man in den Praktika von Anfang an eigene Klienten, die man therapiert? Und in welchem Umfang? Oder erhält man Unterstützung? Schließlich hat man ja anfangs noch kaum Theoriewissen... Und wie sah es bei euch mit Privatleben aus, bleibt davon noch etwas übrig? Wie sieht es mit Überstunden aus (sowohl bei den Praktika, als auch zusätzlicher Aufwand bei den ambulanten Fällen, die vielleicht nicht vom Institut vorgesehen sind)?
3-5 Jahre sind eben doch eine lange Zeit, durch die ich mich nicht durchkämpfen möchte, wenn alles nur eine Qual und Überforderung für mich wäre.

Liebe Grüße und vielen Dank schonmal!
 
Verfasst am: 13. 05. 2020 [17:46]
mss
Dabei seit: 27.12.2019
Beiträge: 18
Ich habe noch nicht angefangen, aber beobachte viele (ehemalige) Kommilitonen. Und meine Erfahrung ist bislang: es gibt sehr (!) große Unterschiede.

Es gibt allein schon bei den Praktischen Tätigkeiten Kliniken, die zahlen 0€ (somit braucht man wohl einen Zweitjob), oder auch Psychologengehälter (dann reicht i.d.R. sogar eine halbe Stelle). Einige Kliniken geben zudem zusätzlichen "Ausbildungsurlaub", sodass man für Blockveranstaltungen der Ausbildung einfach freigestellt wird (und trotzdem weiter Lohn bekommt).
Kliniken auf dem Land bieten zudem sogar teilweise Unterkunft und (kostenfreie) Verpflegung bis zu 3x täglich.

Auch zum Thema Einarbeitung habe ich schon sehr verschiedene Berichte gehört: von "Plötzlich war ich für x Patienten allein zuständig" bis "erst einmal durfte ich hospitieren und hatte zu jedem Patienten Supervision".

Darüber hinaus scheint es große Unterschiede in den Ausbildungsinstituten zu geben. Zum Beispiel wird die "freie Spitze" teilweise einfach durch das "Selbststudium" anerkannt. Andere Institute erwarten da noch ganze Projektarbeiten, Kongressteilnahmen etc.

Auch die Flexibilität erscheint mir sehr unterschiedlich: so sind manche Institut durchstrukturiert und fast jedes Wochenende scheint verplant. Andere bieten (häufig auch durch mehrere Standorte) die Möglichkeit, einzelne Veranstaltungen problemlos nachzuholen und dadurch die Ausbildung etwas entzerren zu können ohne gleich ein ganzes Jahr länger planen zu müssen.

Selbst bei der Finanzierung unterscheiden sich die Institute. Manche verlangen eine monatliche Rate, selbst bei Schwangerschaft, Krankheit etc. Andere bieten flexiblere Lösungen. Auch die Kündigungsfristen variierten in den von mir besuchten Instituten zwischen 3 und 24 Monaten.

Mein Eindruck ist: es lohnt sich in Ruhe die Möglichkeiten zu prüfen. Und ab September kommt zumindest der Mindestlohn von 1000 Euro in den Kliniken…

Die wohl beste Nachricht: es bestehen so gut wie alle am Ende. Und kaum ein anderer Beruf scheint zu so viel Zufriedenheit zu führen wie der Psychotherapeutenberuf.
 
Verfasst am: 13. 05. 2020 [23:11]
geopia
Dabei seit: 17.10.2018
Beiträge: 8
Hi,

bin grad seit ein paar Jahren in der Ausbildung in Nordbayern.

Kann mss da nur beipflichten. Die Unterschiede sind enorm, und es ist wirklich ein schöner Beruf, wenn es dir liegt.

Die meisten PiAs, die ich kenne, brauchen länger für die Ausbildung bzw. nehmen sich mehr Zeit, um den Stress zu reduzieren.

Ein paar kleine Hinweise noch, die mir grad einfallen:

1. Die Ausbildung länger machen als "vorgegeben" nutzen viele, um mit etwas weniger Stress durchzukommen und sich finanziell zu entlasten, weil dann die Ambulanz besser in Teilzeit gemacht werden kann. Ich kenne wenige, die wirklich in 3 Jahren Vollzeit oder 5 Jahren Vollzeit fertig wurden. Solltest du über diese Möglichkeit nachdenken, lohnt es sich, ein Institut zu suchen, dass nicht finanziell bestraft oder Gebühren einfach weiter kassiert, wenn mensch länger braucht. Das kann sonst sehr teuer werden.


2. Ich weiß nicht, ob das hilft, aber du wärst mit einem Überforderungsgefühl während der Ausbildung nicht alleine. Ich kenne bisher aber niemanden, wo das allein aufgrund der Ausbildungsbedingungen die ganze Ausbildung angehalten hätte. Gerade der Anfang kann schwierig sein. Hier hilft der Austausch mit anderen PiAs aber meiner Erfahrung nach enorm weiter.


3. Es gibt verschiedene Unterstützungsangebte. Die Selbsterfahrung wird oft als hilfreich erlebt und entlastet oftmals deutlich. Und wenn mensch sich in der Ausbildungsgruppe abspricht und da Kontakte knüpft, und dann noch über Berufsverbände sich Unterstützung holt (und die Mitgliedschaften in den grö0eren Verbänden sind in der Regel kostenlos für PiA), kann da eigentlich nichts schief gehen.


4. Fachkunden - die meisten Institute bieten an, bereits während der Ausbildung einige Fachkunden z.B. für Entspannungsverfahren oder Hypnosetherapie zu erwerben. Das sind häufig gute Angebote, die aber auch Stress machen können. Auch da sollte überlegt werden, ob die Ausbildung bei Bedarf auch länger dauern kann, sonst kann das eng werden. Ist aber eine schöne Möglichkeit, den Horizont noch während der Ausbildung weiter zu öffnen für die spannenden Möglichkeiten als Psychotherapeut*in.


5. Finanzielle Unterstützung: Es hilft, sich vorher Gedanken zu machen, wie es finanziell aussieht. Brauche ich einen Kredit, ist es gut, sich darum früh zu kümmern. Viele Banken haben wohl Angebote für PiAs (die kennen unsere Schwierigkeiten wohl teilweise schon icon_wink.gif ). Gibt es private Unterstützung? Wie lange kann ich die nutzen? Gerade die PT-1-Zeit ist häufig deutlich unterbezahlt, einige Kliniken zahlen wirklich nichts dafür :/ Hier wird empfohlen, sich bereits vor Ausbildungsbeginn so früh wie möglich bei Kliniken mit PT-1-Möglichkeit zu bewerben. Gute Plätze gibts da wirklich eher weniger als mehr.

Für die Finanzen lohnt es sich wirklich, sich zu überlegen, wieviel Geld braucht und hat mensch wann in der Ausbildung? Was muss ich alles zahlen? Monatliche Gebühren? Selbsterfahrung? Seminare? Bekomme ich Geld während der Ambulanzzeit und wenn ja wieviel? Kann ich davon die Supervisionskosten bezahlen? Muss ich mehr zahlen, wenn ich länger brauche? Kostet es Geld, Seminare zu wiederholen, wenn ich krank war (eher ungewöhnlich) oder einen Gruppenselbsterfahrungstermin verpasst habe? Gibt Institute, bei denen muss mensch dann mit Selbsterfahrung komplett von vorne Anfange, was mehrere tausend € kosten kann.


Mein Fazit soweit:
Anstrengend ja, definitiv, bewältigbar aber auch. Planen hilft, ansonsten braucht mensch ein bisschen Glück. Aber ein bisschen Glück kommt eigentlich immer mal vorbei icon_smile.gif

Und ich selber bin weiterhin sehr froh, die Ausbildung zu machen. Persönlich und fachlich ist sie wirklich bereichernd für mich bisher. Ich nehme mir aber auch ein paar Jahre mehr dafür und spare Geld auf normal bezahlten Stellen für die Abschnitte mit weniger Einkommen icon_wink.gif

Liebe Grüße,
Georg
 
Verfasst am: 13. 05. 2020 [23:32]
cookie
Themenersteller
Dabei seit: 12.05.2020
Beiträge: 2
Hi,

danke für eure Antworten!
Gut zu hören, dass es immerhin auch Praktika gibt, in denen man erstmal langsam startet mit eigenen Therapien.
Ich habe momentan das AVM im Blick, weil mir das sehr flexibel scheint was Theorieseminare betrifft. Und auch sonst scheint es mir, als wäre die Betreuung ganz gut, aber ich kann mich natürlich täuschen. Gibt es vielleicht jemanden, der Erfahrungen mit der AVM gemacht hat? icon_smile.gif
@Georg, hattest du denn schon früh Selbsterfahrung? Bei der AVM ist die sehr spät eingeplant, erst ab den ambulanten Fällen.
Ach ich weiß immer noch überhaupt nicht. Der Beruf ist sicher sehr spannend und nützlich, sinnvoll, interessant... Und man kann in vielen Bereichen arbeiten, die Möglichkeiten sind so viel größer mit der Ausbildung. Aber ich stelle es mir auch sehr schwierig vor, nicht belastend von dem her, dass ich die Probleme der Klienten zu sehr an mich ranlassen würde, sondern von der Gesprächsführung und Therapie her.
Aber zur Not kann man ja auch wieder abbrechen, die Praktika sind schließlich von Anfang an, den Einblick in die Ausbildung erhält man ja schnell.

Liebe Grüße
 
Verfasst am: 16. 05. 2020 [08:02]
geopia
Dabei seit: 17.10.2018
Beiträge: 8
An meinem Institut sollte die Selbsterfahrung nach Möglichkeit im ersten halben Jahr begonnen werden. Ich war da eher spät dran icon_smile.gif

Soweit ich weiß, muss mindestens die Hälfte der Selbsterfahrung abgeschlossen sein, bevor mit der Ambulanzzeit, der Praktischen Ausbildung, begonnen wird.

Kenne ein paar PiAs am AVM, die sicher zum Beginn der Praktischen Tätigkeit schon fertig oder mindestens fast fertig mit der Selbsterfahrung waren.

Vielleicht eine Verwechslung von Selbsterfahrung (vor der Praktischen Ausbildung) und Supervision (während gesamter Praktischer Ausbildung) an irgendeiner Stelle?

Die Gesprächsführung ist meiner Erfahrung nach Übungssache, weswegen in den Seminaren auch viel in Rollenspielen und Kleingruppen geübt wird. Da würde ich mir nicht zu viel Sorgen machen - dafür sind unsere Gehirne viel zu flexibel als dass das nicht gelernt werden könnte icon_smile.gif

Liebe Grüße,
Georg
 
Verfasst am: 09. 06. 2020 [16:19]
ktill
Dabei seit: 05.06.2020
Beiträge: 9
Und als Ergänzung zum Gehalt. Ab 1.9.2020 gilt das neue PsyThG und in diesem Zusammenhang ist ein Mindestgehalt von 1.000€ vorgeschrieben. Die Zeiten von "fast nichts" sollten also vorbei sein.
Was ich gerade höre, dass manche Institute aus diesem Grund sich noch organisieren müssen. Was auch immer dazu gehört...
 



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