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Selbst Patient sein während der Ausbildung?
Verfasst am: 15. 11. 2020 [13:20]
tintenfeder
Themenersteller
Dabei seit: 15.11.2020
Beiträge: 3
Hi,

es fällt mir nicht leicht, diesen Beitrag zu schreiben.
Ich bin am Ende meines Psychologie Studiums und würde nun gerne die Ausbildung beginnen. Allerdings geht es mir momentan psychisch nicht gut - es ist nicht katastrophal, aber so, dass ich mir professionelle Unterstützung wünschen würde. Jetzt frage ich mich, ob ich mir meine Zukunft verbaue, indem ich nun eine Therapie aufnehme. Darf ich selbst Patient sein, während der Ausbildung? Nimmt mich überhaupt ein Institut und bin ich überhaupt gezwungen, es vor etwaigen Instituten preiszugeben, dass ich gerade in Therapie bin/eine solche anstrebe?

Ich würde mich über Antworten und Rat freuen

LG Tintenfeder

P.S.: Falls die Hintergründe von Bedeutung sind: Ich war eigentlich immer psychisch stabil. Aber 2019/20 ist viel zusammen gekommen, das belastend ist/war. Angefangen hat es mit einer körperlichen Erkrankung. Die Diagnose war lange unklar, die Verdachtsdiagnosen, die im Raum standen, lebensbedrohlich. Die Ungewissheit war neben den körperlichen Beschwerden schwer erträglich. Viele der Verdachtsdiagnosen konnten (Gott sei Dank) ausgeschlossen werden, aber ich bin noch immer in ambulanter Behandlung ohne Diagnose. Die Beschwerden werden jedoch symptomatisch behandelt, insofern bin ich physisch wieder belastbar. Das muss ich auch sein, weil meine engsten Angehörigen zuletzt pflegebedürftig geworden sind und es niemanden außer mir gibt, der die Pflege aktuell leisten kann (besonders in Zeiten von Corona ist es schwierig, sich hier Unterstützung zu suchen)Für gewöhnlich käme ich derlei Lebenschaos mit allem bei, was ich als meine Ressourcen bezeichnen würde. Vieles davon ist aktuell aber nicht möglich (erneut die Pandemie) sodass ich gerne einen Ort zum Reden und Reflektieren hätte.
 
Verfasst am: 15. 11. 2020 [21:34]
zora
Dabei seit: 29.05.2017
Beiträge: 20
Hallo, Tintenfeder,
in der analytischen Ausbildung bist du sowieso von Anfang an in Lehranalyse, die sich von einer Heilanalyse kaum unterscheidet (die Inhalte werden nicht an das Institut weiter gegeben und dürfen/sollen alles umfassen, was dich beschäftigt, eben auch alles Persönliche).
Bei den anderen Schulen ist meines Wissens die Selbsterfahrung nicht ganz so intensiv und durchgängig Ausbildungs-begleitend.
Dass eine Therapie, wenn du sie zusätzlich zur Selbsterfahrung (oder davor) anstrebst, dich benachteiligen soll beim Auswahlverfahren, kann ich mir nicht vorstellen. Die Frage ist dabei nicht, ob du je Hilfe gebraucht hast, sondern, ob du geeignet bist, anderen beizustehen.
Jedoch sollte man in der Regel keine zwei Therapien nebeneinander laufen haben - das tut dir und dem Erfolg beider Behandlungen nicht gut. Deshalb fänd ich Offenheit angebracht, spätestens zu Beginn der Selbsterfahrung.
Gutes Gelingen und weiterhin gute Nerven im Towabow, Zora
 
Verfasst am: 16. 11. 2020 [11:00]
tintenfeder
Themenersteller
Dabei seit: 15.11.2020
Beiträge: 3
Vielen, lieben Dank für deine Antwort, Zora!
 
Verfasst am: 22. 11. 2020 [07:58]
mss
Dabei seit: 27.12.2019
Beiträge: 19
Hallo Tintenfeder,
ich würde sagen, dass das zunächst überhaupt niemanden etwas angeht, wie es um deine "psychische Gesundheit" steht.

In den anderen Therapieverfahren ist die Selbsterfahrung wesentlich weniger. Von vielen Verhaltenstherapeutischen Instituten weiß ich, dass die 120h Gruppenselbsterfahrung machen.

Ich selbst mache seit einigen Monaten eine systemische Ausbildung. Wir machen 100 Stunden Gruppe und 20 Stunden Einzelselbsterfahrung. Der Einzelselbsterfahrungsanteil kann ggf. um bis zu 20h erhöht werden (und dafür dann 20h weniger Gruppe).

Von einigen Instituten habe ich auch gehört, dass sie Therapien als Selbsterfahrung anerkennen. Das hätte dann sogar den Vorteil, dass du Geld sparst, weil deine "Selbsterfahrung" dann von der Krankenkasse übernommen wird icon_wink.gif

Zum Abschluss noch etwas persönliches: Wenn du dich für eine Therapie entscheidest, dann fände ich es gut, wenn du das nicht gleich allen anderen Ausbildungskandidaten deines Kurses erzählst. In meinem Kurs sind auch ein paar "Patienten" und ich finde die manchmal etwas "überheblich" (nach dem Motto: Ich bin Patientin, ich weiß besser, was Psychotherapie ist). Das ist nur meine Meinung…

Alles Gute icon_smile.gif
Mia
 
Verfasst am: 25. 11. 2020 [12:28]
tintenfeder
Themenersteller
Dabei seit: 15.11.2020
Beiträge: 3
Hallo, Mia, und vielen lieben Dank für Deine Antwort!

Das sind ja seltsame Erfahrungen, die du im Zuge Deiner Ausbildung machen musst...ich könnte es mir im Leben nicht vorstellen, einem fast fremden Plenum von den Schwierigkeiten zu berichten, die mich plagen - oder von der Therapie, die ich aufgrund derer benötige. Im Gegenteil: Ich schäme mich so, dass nicht einmal meine engsten Angehörigen davon wissen. Es würde sehr viel Mut bedürfen, denke ich, frei davon erzählen zu können. Für mich wäre das wahrscheinlich ein großer Schritt - ein Schritt auf den ich auch stolz sein könnte, selbst wenn das in keinem für mich wünschenswerten Szenario bedeuten würde, dass ich diese Information ohne Anlass munter in aller Welt verstreue. Ich habe natürlich keinerlei Ahnung, wie die Ausbildungsteilnehmer sich an Deinem Institut gebärden. Aber wenn ich versuche mich da hineinzuversetzen, könnte ich mir vorstellen, dass es bei dem Mut, den es sie vielleicht kostet (psychische Krankheit gilt leider auch heute noch häufig als Stigma) schlichtweg übers Ziel hinausschießen und letztlich kommt das als Überheblichkeit an? Ich hab diese Erfahrung im Studium gemacht mit Kommilitonen, welche in Therapie waren. Gleichzeitig fand ich ihre Perspektiven auf die therapeutische Praxis stets wertvoll...weil Behandler die Gegenseite meistens nicht anhand eigener Erlebnisse kennen und vieles, womit Patienten zu kämpfen haben, von Behandlern übersehen wird. Das ist, so glaube ich, in nahezu allen medizinisch/versorgenden Professionen der Fall. Auf die Therapie bezogen wäre beispielsweise das Vorhanden-Sein/Nicht-Vorhanden-Sein einer Website des Therapeuten mit näheren Informationen zu nennen oder auch die Überwindung, die Scham, welche mit psychischen Problemen einhergeht. Das bedeutet nicht, dass Patienten besser wissen, was ein Arzt/ein Psychotherapeut/o.Ä. leisten muss - was "richtige" Behandlung ist. Doch es ist eine Perspektive, welche mindestens ebenso in Überlegungen miteinzubeziehen ist wie die Perspektive des Therapeuten, welcher in meinen Augen ebenfalls keine Deutungshoheit über "richtige" Behandlung besitzt. Nur, wenn ich so darüber sinniere. Aber auch das ist selbstverständlich lediglich eine persönliche Meinung - die ich schildere, weil die Schlange vor dem Kaffee unwahrscheinlich lange ist. icon_rolleyes.gif

Ich wünsch Dir ebenfalls noch alles Gute auf Deinem Weg und hoffentlich angenehme Kursteilnehmer!
 



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